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Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier

Politische Arbeit

Rot-Grün in Niedersachsen

Deutschland 1990: Das Land war geeint. Auch für mich eine Zeit des Neuanfangs: Die rot-grüne Aufbruchsituation in Niedersachsen lockte mich nach Hannover. Das Potenzial dort reizte mich und forderte mich heraus: Die wollten was! Das wollte ich auch! Nach einer ersten Begegnung mit Gerhard Schröder befand er: "Der passt zu uns."

Schröder konnte barsch und ungeduldig sein. Er wollte Fortschritte sehen - und er wollte sie schnell sehen. Ich persönlich spürte jedoch immer Rückendeckung. Unsere Unterschiedlichkeit trug wahrscheinlich dazu bei, dass wir gemeinsam stark waren.

Rot-Grün in Niedersachsen war nach Hessen der zweite rot-grüne Regierungs-Versuch. Diesmal gelang es. Wir hatten eine spannende Zeit, in der nach 14 Jahren konservativer Landespolitik der Wind des Neuen heftig wehte. Und wir hatten uns große Ziele gesetzt: Moderne Wirtschaft, gerechte Gesellschaft, ökologische Wende, kulturelle Öffnung.

Rot-Grün in Bonn und Berlin

Vieles von dem, was wir wollten, konnten wir auf Länderebene gar nicht umsetzen. Gerade in den Auseinandersetzungen um die geplante Wiederaufarbeitungsanlage und das Atommülllager in Gorleben erfuhren wir die bundesgesetzlichen Grenzen. Weisungen aus Bonn zeigten das auf provozierende Weise. Für den Atomausstieg brauchten wir die Mehrheit in ganz Deutschland.

Als 1998 dann Rot-Grün auf Bundesebene regieren konnte, waren wir euphorisch - und herausgefordert. Wir wollten Rot-Grün möglich machen! Das war unser Projekt! Es ging nicht einfach darum zu verwalten, sondern um etwas ganz Neues, von dem ich mit ganzer Kraft wollte, dass es gelingt: Rot-Grün stand für eine bis dahin von Schwarz-Gelb ausgegrenzte Bundesrepublik, die der Friedensbewegung, der Umweltgruppen, der gesellschaftspolitisch Engagierten, die für eine faire Einwanderungspolitik stritten oder sich für die Gleichstellung von Frauen einsetzten. Wir waren eine Regierung, die ein modernes, wirtschaftlich starkes Deutschland wollte, das Innovation und Gerechtigkeit zusammenbringt. Eine Republik, die niemanden zurücklässt, der es aus eigener Kraft nicht schaffen kann. Das war und ist die Handschrift: Kampf um Modernisierung und Gerechtigkeit im Rahmen einer langfristig angelegten Politik.

Dafür brauchen wir Beharrlichkeit, Geduld, gelegentlich auch Härte. Jede Zeit fordert ihre eigenen Antworten, hat Willy Brandt gesagt. Politik kann nur gelingen, wenn wir immer wieder neu den Mut finden, richtige Entscheidungen durchsetzen. Wir sind nie am Ende und müssen immer auf der Höhe der Zeit sein: mittendrin. Wir haben dabei aber das Ziel nie aus den Augen verloren: eine gerechte Gesellschaft, die für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist.

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