|

Frank-Walter Steinmeier

Frank-Walter Steinmeier

Bundestagswahl 2009

Das Jahr 2009 war ein aufregendes Jahr. Der 27. September war sein Höhepunkt. Er war leider auch sein bitterster Tag.

Vor dem 27. September hat die SPD, Junge Teams und Mitglieder vor Ort, haben die Parteispitze und die Fraktion, habe natürlich auch ich als Spitzenkandidat gemeinsam mit meinem Team einen langen, intensiven, engagierten Wahlkampf gemacht. Nie zuvor bin ich so viel in unserem Land herumgekommen, habe mit so vielen Menschen gesprochen, habe so oft gespürt, wie aktuell unsere sozialdemokratischen Werte und Ideen sind – gerade vor dem Hintergrund der großen Wirtschaftskrise. Ich finde, wir hatten starke Konzepte zu bieten: ein gutes Regierungsprogramm und ein starkes Kompetenzteam. Ich habe einen Deutschland-Plan vorgelegt, in dem ich beschrieben habe, welche Lehren wir aus der Wirtschaftskrise ziehen und welche Weichen wir heute stellen müssen, damit wir zu neuem, nachhaltigen Wachstum gelangen und uns fit machen für die Arbeit von morgen. Wir haben eine klare inhaltliche Auseinandersetzung gesucht, der unsere politischen Gegner ausgewichen sind. Nur manchmal ging das nicht, wie am 13.9., als ich gegen Kanzlerin Merkel im TV-Duell angetreten bin. Das war eine echt aufregende Erfahrung, hat viel Konzentration erfordert und einen ganz schön langen Atem, sowohl gegenüber meiner politischen Opponentin als auch den vier selbstbewussten Moderatoren, aber am Ende hatte ich das Gefühl, die Sache der SPD ganz gut vertreten zu haben.

Und dennoch haben wir in der Bundestagswahl am 27. September eine bittere Niederlage eingefahren. Das war natürlich schmerzhaft, nachdem ich, gemeinsam mit vielen anderen, intensiv für unsere Ideen gekämpft hatte. Das war schmerzhaft, weil ich der Überzeugung war, dass Schwarz-Gelb einfach nicht die richtige Antwort auf die Krise sein konnte. Dieser Meinung bin ich nach wie vor – und nach dem Start der schwarz-gelben Regierung glauben das immer mehr Menschen in unserem Land. Die SPD hat Millionen Wähler verloren, nach links und nach rechts und viel zu viele sind gar nicht wählen gegangen. Dieser Befund macht die Suche nach den Gründen schwer. Den einen gibt es sicher nicht. Klar ist, dass die SPD als Volkspartei, die einen Bogen über alle Gruppen in der Gesellschaft spannen will, diesen Zusammenhalt, diese gesellschaftliche Bindekraft nicht mehr hingekriegt hat. Aber das sozialdemokratische Projekt ist deshalb nicht am Ende. Im Gegenteil, wir kämpfen umso härter dafür, unsere Bindungskraft wieder zu entfalten. Das habe ich schon wenige Wochen später auf dem Dresdner Parteitag gespürt. Das sozialdemokratische Herz schlägt weiter!

Als Oppositionsführer alle Hände voll zu tun

Es war ein bitterer Abend. Es war auch ein Abend, an dem mir klar war: Du kannst Dich jetzt nicht der Verantwortung entziehen. Die Wähler haben entschieden – die SPD ist jetzt in der Opposition. Unsere Partei und die Bundestagsfraktion haben sich neu aufgestellt: als stärkste Oppositionskraft haben wir alle Hände voll zu tun. Schon nach wenigen Monaten im Amt mussten wir selber staunen: Die neue Koalition war wohl auf alles vorbereitet, nur nicht aufs Regieren. Da ist kein Projekt, keine Vision für unser Land, sondern schamlose Klientelpolitik für die nächsten Freunde. Da herrscht Chaos und kleinkariertes Gezänk, während Deutschland mit den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit kämpft. Und da stellt sich heraus, dass die Bürger nach dem hohlen Wahlversprechen ‚Mehr Netto vom Brutto‘ mit immer weniger Netto vom Brutto dastehen. Ich spüre jeden Tag, wie wichtig Opposition in diesen Zeiten ist. Aber ich meine, wir müssen auch zeigen, dass wir’s besser können. Mein Vorgänger Hans-Jochen Vogel hat mir gesagt: Eine gute Opposition ist die, die jeden Tag in der Lage wäre, am nächsten Tag wieder die Regierung zu übernehmen. Deshalb arbeiten wir weiter an unseren eigenen Konzepten und Strategien: für eine Politik, die die Arbeit von morgen schafft und dafür sorgt, dass alle Menschen an ihr teilhaben können, und die der schwarz-gelben Spaltung eine Politik des Zusammenhalts entgegensetzt.

Lesen Sie weiter

Schreiben Sie mir!


Bitte füllen Sie alle Felder aus, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind.

Kontaktdaten
Ihre Nachricht
Einverständniserklärung