Etwas bewegen
Politisches Engagement entsteht aus Neugier
und Empörung. Ein Lehrer, der
uns mit Armut und Unterentwicklung in Afrika bekanntmachte. Das empörte
ebenso
wie Betriebsschließungen und Entlassung in einer vom Wachstum der 70er
Jahre
ohnehin nicht begünstigten Region. Neugier auf Politik wurde geboren im
Streit
um Ostpolitik und Misstrauensvotum gegen Willy Brandt. Das
Jugendzentrum, dass
wir damals durchsetzten und für das wir der Gemeinde die Räume
abtrotzten, gibt
es heute noch. Aus heutiger Sicht keine große Sache, aus damaliger Sicht
ein
kleiner Sieg. Und zum ersten Mal wurde uns sehr bewusst: Man kann mit
Engagement etwas bewegen!
Selbst bestimmen
Ich glaube, dass jedes Kind von seinen
Eltern einen Auftrag mit auf den Weg
erhält, der meistens unausgesprochen bleibt. Wer sich bildet, kann mit
gestalten, der lässt sich nicht so leicht herumschubsen oder für dumm
verkaufen. So hat meine Mutter das nie gesagt, aber sicherlich glaubte
sie
daran und hat es mir vermittelt. Ich sollte ein Leben führen, dass die
bedrückende
Ungewissheit hinter sich lässt. Ein Leben, in dem nicht mehr andere die
Richtung bestimmen, sondern die eigene Urteilskraft. Ich sollte ein
selbstbestimmtes Leben führen. Ein solches Leben ist nur durch Bildung
möglich.
Auf dem Gymnasium
Als es
darum ging, ob ich den Schritt aufs Gymnasium wagen sollte, kam meine Mutter
aus der Elternsprechstunde und sagte mir: "Nun musst du es selbst
wissen." Diejenigen meiner Klassenkameraden, die außer mir in Frage
gekommen wären, würden nicht mitkommen.
Mir war
mulmig, aber ich empfand das als unausgesprochene Ermutigung, ohne die ich
wahrscheinlich den Mut nicht gefunden hätte, Ja zu sagen. Und ohne die
sozialliberalen Reformen der frühen 70er Jahre, die auch Schülern wie mir die
Bildungstüren öffnete, hätte wir es rein finanziell gar nicht geschafft. Diese
Chance, mich weiterentwickeln zu können, habe ich immer als Glück erfahren.