Der schwierige Weg zum Frieden
Regierungen,
Institutionen und Menschenrechtsorganisationen beherrschen die Schlagzeilen,
wenn es um die neu entflammten Konflikte im Nahen Osten geht. Allzu schnell
wird außer Betracht gelassen, dass die Leidtragenden all die Menschen sind, die
sich eine friedliche Heimat und echte Zukunftsperspektiven wünschen: Mütter und
Kinder, Großmütter und Großväter, Jugendliche und Eltern, einfache Bauern und
ambitionierte Berufsleute. Doch Einzelschicksale finden in lauten Medien wenig
Raum.
Auf Einladung des Kulturvereins Brandenburg an der Havel berichtete der ARD-Fernsehjournalist
und Buchautor Werner Sonne am Freitag von solch einem Einzelschicksal, das er
in seinem Buch "Wenn ich dich vergesse, Jerusalem" beschreibt. Werner Sonne will
sich auf keine Seite schlagen, nicht Stellung beziehen, sondern das menschliche
Antlitz dieses historischen Dramas zeigen - seine vielen Gesichter. Als "historisches Drama" bezeichnet der Autor zwei große Massaker im
Kampf um Jerusalem: den Überfall auf das arabische Dorf Deir Jassin vor den
Toren der Stadt und den Überfall auf Ärzte und Krankenschwestern des
Hadassah-Krankenhauses in den späten Vierzigerjahren, rund um die Gründung des
Staates Israel.
In diesem Kontext erzählt er eine eindrückliche und berührende Geschichte: Im
Februar 1947 kommt Judith, die das KZ Dachau überlebt hat, nach Palästina, um
ihren Onkel aufzusuchen; in Deutschland hat sie keine Verwandten mehr. Als sie
vom Tod ihres Onkels erfährt, versucht sie sich das Leben zu nehmen. Im
Krankenhaus erhält sie eine Bluttransfusion von der jungen arabischen
Lernschwester Hana, mit der sie sich anfreundet. Hana ist ihrem Nachbarn
Joussef versprochen. Doch sie möchte ihre Ausbildung am Hadassah-Krankenhaus
abschließen und verliebt sich zudem in einen jüdischen Arzt. Joussef, zutiefst
in seiner Ehre verletzt, schließt sich den Männern des Muftis an, deren Ziel es
ist, die Juden ins Meer zu treiben. Die politische Lage spitzt sich zu. Als die
UNO den Teilungsplan annimmt, explodiert die Gewalt, und die Freundschaft
zwischen Judith und Hana wird auf eine harte Probe gestellt.
Die anschließende Podiumsdiskussion befasste sich mit der unendlich komplexen Situation
vor Ort. Der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Werner Sonne und
Harald Kindermann, deutscher Botschafter in Israel von 2006 bis 2011,
diskutierten mit den 350 Zuhörern die aktuelle Politik. Sachlich und kompetent
erläuterten die drei Nahost-Experten zwei Stunden lang die Situation der
Israelis und der Palästinenser.

