Weitlings Sommerfrische
Der Schriftsteller Sten Nadolny weilte auf Einladung von Frank-Walter
Steinmeier am Freitag in Brandenburg an der Havel, um aus seinem Buch "Selim
oder die Gabe der Rede" vorzulesen. Das Buch erzählt von der ersten Generation
junger Türken in Deutschland und dem neunzehnjährigen Studenten Alexander aus
Rosenheim. Als promovierter Historiker und Politikwissenschaftler schaffte es Sten
Nadolny in gemütlicher Runde, die Zuhörer in die Figuren zweier ganz
unterschiedlicher Kulturen eintauchen zu lassen.
Mit seinem Buch hat er einen Zeitroman deutscher Geschichte geschaffen, bei dem seine
Sprache, trotz des erzählenden Ernstes, humorvoll bleibt. Man begegnet der
Studentenbewegung der 1960er Jahre in Berlin-West genauso wie dem jungen Türken Selim, der ein
begabter Redner ist.
Aus Zugabe las Sten Nadolny aus seinem bisher unveröffentlichten
Manuskript "Weitlings Sommerfrische", in der er das begeisterte Publikum mit an
den Chiemsee nahm. In der autobiografischen Erzählung schreibt der 69-Jährige
über den Berliner Richter a.D. Wilhelm Weitling und über dessen Gebrechen, wie
Bandscheibenschmerzen, Rheuma und Arthrose, die urplötzlich verschwinden, als
während eines Unwetters beim Segeln auf dem See etwas Merkwürdiges passiert:
Der Ruheständler wird in seine Jugend versetzt.
Im Anschluss bedankte sich Frank-Walter Steinmeier als Vorsitzender des
Kulturvereins Brandenburg bei Sten Nadolny für die großartige Lesung und warb
für Spenden für das Denkmal, das der Verein dem kürzlich verstorbenen Vicco von
Bülow, auch als Loriot bekannt, widmen möchte.
Mit der Lesung des Journalisten Werner Sonne am Freitag, dem 9. Dezember
2011, um 19:30 Uhr im Domstiftsgut Mötzow setzt der Brandenburger Kulturverein
die Veranstaltungsreihe fort.

